Aktuelle Pressemitteilungen der Biostation Euskirchen
Obstbaumwarte
Spezialisten
für alte Apfelsorten
Von Klaus Pesch, 22.06.10, 22:42h
Auf ungewöhnlich großes Interesse ist ein europäisches
Förderprojekt zum Erhalt der Eifeler Streuobstwiesen
gestoßen.
Derzeit bildet sie zahlreiche „Obstbaumwarte“ aus,
die künftig Besitzer von Streuobstwiesen beraten sollen.
![]() Streuobstwiesen wie in Bad Münstereifel sind eine Augenweide und liefern köstliche Äpfel. (Bild: Gerke)
![]() Wer sich zum Obstbaumwart ausbilden lässt, lernt, wie man Wiesen mit der Sense freihält, Bäume beschneidet und Obstwiesen neu anlegt. (Bild: Gehrke)
EIFELLAND - „Das Telefon hat nicht mehr still gestanden“, freut sich die Nettersheimerin Ursula Gerke. Auf ungewöhnlich großes Interesse ist ein europäisches Förderprojekt zum Erhalt der Eifeler Streuobstwiesen gestoßen, für das sie die Projektkoordination übernommen hat. Derzeit bildet sie zahlreiche „Obstbaumwarte“ aus, die künftig Besitzer von Streuobstwiesen beraten sollen. Die ersten 50 ausgebildeten Baumspezialisten wollen sich am Sonntag in Nettersheim zum Erfahrungsaustausch treffen.
„Ich habe Lehrgänge mit einem theoretischen und einem praktischen Teil angeboten“, berichtet sie. „Eine bunte Mischung verschiedener Leute“ habe das Angebot, in 40 Stunden zum Streuobst-Spezialisten ausgebildet zu werden, bisher angenommen.
Baumwarte in vielen Dörfern
Angestoßen wurde das Projekt von den Biologischen Stationen Aachen, Düren und Euskirchen. Man hatte sich an die Baumwarte erinnert, die in vielen Orten noch bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Ansprechpartner für Fragen rund um Obstwiesen zur Verfügung standen. „Früher konnten alle Bauern die Bäume auch veredeln“, sagt Ursula Gehrke.
Im Winter gehörten die Äpfel mit zur täglichen Ernährung. Doch das ist lange vorbei, heute kauft man Lebensmittel im Supermarkt.„Das alte Wissen stirbt jetzt aus“, sagt die gelernte Baumschulmeisterin Gehrke. Durch Überalterung und mangelnde Pflege verschwinden allmählich immer mehr der landschaftsprägenden Streuobstwiesen.
Aufgehalten werden soll der Trend mit einem Förderprogramm der Europäischen Union im Rahmen der „Leader“-Aktivitäten zur Unterstützung einer eigenständigen und nachhaltigen Regionalentwicklung in ländlichen Gebieten. 218 000 Euro stehen insgesamt für das noch bis 2011 laufende Projekt, mit dem ein „Kompetenznetzwerk Streuobstwiesen“ etabliert werden soll, zur Verfügung. 109 000 Euro kommen von der EU, den Rest tragen die Städteregion Aachen und die Kreise Düren und Euskirchen.
Vor ungefähr fünf Jahren hat Ursula Gehrke mit der Vorarbeit für das Projekt begonnen. „Wir wollen Leute, die im Obstbereich tätig sind, stärker vernetzen und motivieren, zusammen zu arbeiten“, sagt sie. Nachdem der Regierungspräsident das Projekt genehmigte, konnte am 15. Juni mit der Arbeit begonnen werden.
Vier Obstbaumwart-Lehrgänge wurden bereits mit Erfolg abgeschlossen, zwei weitere sind im Herbst geplant, und dafür sind sogar noch einige Plätze frei (Anmeldung unter:
Tel.: 0 24 86 - 95 07 15). Die Kurse finden jeweils freitags bis sonntags vom 3.-18. September und vom 29. Oktober bis 12. November statt, die Teilnahme ist kostenlos. Dabei kann man dann einiges über die Entstehungsgeschichte der Streuobstwiesen lernen, Wissenswertes über den Baumschnitt erfahren und was man bei der Pflanzung beachten sollte. Außerdem gibt es Informationen darüber, wie man veredelt und welche regionaltypischen Sorten es gibt. Und später sollte man das Wissen auch weitergeben: Obstbaumwart Bernd Walter aus Wollenberg, beruflich als Baumwächter bei Straßen.NRW tätig, erklärte der Rundschau, er gebe gerne am Telefon sein Wissen weiter. Und wenn es nicht zu aufwendig sei, begutachte er auch Bäume vor Ort.
Die „Apfelstraußwirtschaft“
Erstellt 22.06.10, 22:42h
An Mosel oder Ahr sind Straußwirtschaften eine Labsal für
hungrige und durstige Wanderer.
In NRW sind solche Betriebe jedoch nicht erlaubt, obwohl sie
auch für die Erzeuger von Streuobst eine gute
Vermarktungsmöglichkeit bilden könnten.
PESCH. An Mosel oder Ahr sind Straußwirtschaften eine Labsal für hungrige und durstige Wanderer, die die von Winzern betriebenen Schankstätten zu schätzen wissen. In NRW sind solche Betriebe jedoch nicht erlaubt, obwohl sie auch für die Erzeuger von Streuobst eine gute Vermarktungsmöglichkeit bilden könnten. Bernhardine Schippers aus Nettersheim-Pesch, die sich auch zum Obstbaumwart hat ausbilden lassen, hatte zwei Jahre lang die erste Straußwirtschaft in NRW betrieben, wurde aber dann vom Kreis Euskirchen gestoppt. Apfelsaft und Viez, Eifeler Käse aus Loogh, Schinken, Leberwurst und Griebenschmalz sollten nicht mehr verkauft werden dürfen, weil der entsprechende Paragraf im Gaststättengesetz, auf den sie sich berufen hatte, in NRW nicht gilt.
Doch zum Glück gibt es ja noch die Gemeinde Nettersheim. „Die haben einen Paragrafen gefunden, unter dem ich aufmachen kann“, freut sich Bernhardine Schippers. Die „Gestattung eines befristeten Ausschanks“ erlaubt ihr und ihrem Mann Erwin Jutz, weiterhin ihre „Apfelstraußwirtschaft“ zu betreiben. Geöffnet ist vom 9. Juli bis zum 29. August donnerstags bis sonntags von 14 bis 21 Uhr. (pe)
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Impressionen vom ImagefilmSehen Sie hier einige Impressionen aus dem neuen Imagefilm der Biologischen Station Euskirchen e.V. als Bildergallerie. |













