helle Eifeltäler

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Artenschutz

Ein durch die Europäische Union gefördertes Projekt.

laufzeit

01.01.2021

31.12.2027

träger

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förderer

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Erhaltung geschützter Tagfalterarten in der Eifel

Im Januar 2021 ist nach mehr als zweijähriger erfolgreicher Vorbereitungs- und Antragsphase unser EU-LIFE-Projekt „helle Eifeltäler“
an den Start gegangen.

Unser Dank gilt all unseren Kooperationspartnern, die uns im Rahmen der Antragstellung unterstützt haben und im Projekt mit uns
zusammenarbeiten werden.

Das Natur- und Artenschutzprojekt der Biologischen Station im Kreis Euskirchen hat zum Ziel, bis zum Jahr 2027 die Vorkommen
der europäisch geschützten Tagfalterarten Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) und Goldener Scheckenfalter
(Euphydryas aurinia) zu sichern, zu stärken bzw. neu zu etablieren.

PRESSEMITTEILUNG
LIFE helle Eifeltäler – Millionenschweres Naturschutzprojekt für die Artenvielfalt im Kreis Euskirchen

Zum Internationalen Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai gibt die Biologischen Station im Kreis Euskirchen e.V. den Projektstart bekannt!

Kreis Euskirchen, Nettersheim 19. Mai 2021: Mit dem Naturschutzprojekt LIFE helle Eifeltäler werden in den nächsten 7 Jahren grundlegende Schritte unternommen, um die Ziele der „Convention on Biological Diversity (CBD)“ zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile im Kreis Euskirchen langfristig zu erreichen.

Das mit 4,7 Millionen Euro geförderte Projekt wird von 2021 bis 2027 in der Nordeifel im Kreis Euskirchen durch die Biologische Station durchgeführt. Dabei konzentriert sich LIFE helle Eifeltäler auf die Erhaltung und Förderung der beiden bedrohten Tagfalter-Arten Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) und Goldener Scheckenfalter (Euphydrias aurinia). Die Lebensräume beider Arten werden wiederhergestellt, optimiert und vernetzt. Für den Goldenen Scheckenfalter ist eine (Wieder-)ansiedlung im Projektgebiet geplant. Mit einer großangelegten Kampagne: „Blauschillernd und golden – Juwelen der Lüfte“ wird die Öffentlichkeit informiert, eingebunden und für das Projekt, dessen Ziele und die beiden gefährdeten Arten und deren Lebensgemeinschaften begeistert.

„Ja, wir sind sehr stolz, dass es der Biologischen Station im Kreis Euskirchen wieder einmal gelungen ist, ein besonderes und hochdotiertes Naturschutzprojekt in den Kreis zu holen!“ freut sich Veronika Neumann, Vorstandsvorsitzende der Biologischen Station. „Sicher ist die Herausforderung groß, der wir uns mit dem Förderantrag bei der Europäischen Union und den darin formulierten Zielen stellen wollen. Die reiche Erfahrung und die gute Kooperation mit dem Land NRW, dem Kreis Euskirchen, den Kommunen und mit den Landwirten und Unternehmen vor Ort wird sicherstellen, dass wir auch dieses Projekt erfolgreich umsetzen werden.“

„In Zeiten des großen Insektensterbens sollen die beiden besonderen Tagfalterarten natürlich selbst geschützt und deren Vorkommen stabilisiert werden. Sie sind aber auch sogenannte „Flagschiffarten“: Im Naturschutz sind damit attraktive Tier- oder Pflanzenspezies gemeint, mit denen sich in der Öffentlichkeit eine emotionale Motivation für Natur- und Artenschutz begründen lässt. Mit den Maßnahmen für die charismatischen Arten werden nicht nur deren besondere Lebensräume wie Mittelgebirgs-Feuchtwiesen und feuchte Hochstaudenfluren optimiert und geschützt. Es profitieren auch die damit verbundenen Pflanzen- und Tierarten.

„Das Projekt wird sich auf die Biodiversität des Projektgebietes und auch darüber hinaus positiv auswirken!“ begründet Stefan Meisberger, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station, den Einsatz so hoher Finanzmittel für „zwei Schmetterlinge“. „Wir handeln damit ganz im Sinne unserer Maxime: Kein Artenschutz ohne Schutz der Lebensräume!“

Hintergrundinformationen

– Das europäische Förderprogramm LIFE (L`Instrument Financier pour l`Environment: Promouvoir L’Union Soutenable, also Finanzierungsprogramm für die Umwelt: Förderung einer nachhaltigen Gemeinschaft) unterstützt ausschließlich Umweltschutzbelange (https://ec.europa.eu/easme/en/life).

Der Teilbereich LIFE „Natur und biologische Vielfalt“ wird eingesetzt, um das Europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 umzusetzen und weiter zu entwickeln.
Natura 2000 ist das zusammenhängende Netz europäischer Schutzgebiete, bestehend aus Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH-Gebiete, Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) und Vogelschutzgebieten (VSG, Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten). Typische, besondere, seltene und gefährdete Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten Europas sollen damit geschützt werden. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben eine Verant-wortung für den Erhalt typischer Naturlandschaften und der Biologischen Vielfalt.

– LIFE helle Eifeltäler – Promotion of Violet Copper (Lycaena helle) and Marsh Fritillary (Euphydryas aurinia) in the Northern Eifel (LIFE19 NAT/DE/000871):
LIFE helle Eifeltäler konzentriert sich auf die Erhaltung und Förderung der beiden bedrohten Arten Blauschillernder Feu-erfalter (Lycaena helle) und Goldener Scheckenfalter (Euphydrias aurinia). Lebensräume beider Arten werden wiederhergestellt, optimiert und vernetzt. Für den Goldenen Scheckenfalter ist eine (Wieder-)ansiedlung im Projektgebiet geplant. Mit einer großangelegten Kampagne: „Blauschillernd und golden – Juwelen der Lüfte“ wird die Öffentlichkeit informiert, eingebunden und für das Projekt, dessen Ziele und die beiden gefährdeten Arten und deren Lebensgemeinschaften begeistert.

– Kenndaten:
Projektpartner: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- u. Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und Kreis Euskirchen
Laufzeit: 2021 – 2027
Fördersumme: 4.7 Mio Euro
Projektkulisse: 600 qkm
Schutzgebiete, Trittsteine und Korridore: 88 qkm

www.life-helle-eifeltaeler.eu

LIFE helle Eifeltäler – Erklärung zum Namen/Wortmarke: Im Druckbild sollen wissenschaftliche Art- und Gattungsnamen kursiv gesetzt sein (Council of Science Editors / Style Manual Committee: Scientific style and format. The CSE manual for authors, editors, and publishers. 7. Auflage. The Council, Reston (VA) 2006. S. 345). Mit dem Naturschutzprojekt sollen als eine der wichtigsten Maßnahmen, dunkle Fichtenforste in Au-Bereichen freigestellt werden und damit als geeigneter Tagfalterlebensraum, nämlich hell und licht, aufbereitet werden. Der wissenschaftliche Name einer Zielart, nämlich Lycaena helle – der Blauschillernde Feuerfalter, wurde in der Wortmarke als Homonym (derselbe sprachliche Ausdruck für verschiedene Begriffe) aufgegriffen.

Klein aber wunderschön: der Blauschillernde Feuerfalter <br><i>(Lycaena helle)</i> mit seinem einzigartigen Farbenspiel.<br/>Er ist angewiesen auf das Vorhandensein des Schlangenknöterich als Raupen-Nahrungspflanze.<br/>(Foto: A. Kolossa)
Klein aber wunderschön: der Blauschillernde Feuerfalter
(Lycaena helle) mit seinem einzigartigen Farbenspiel.
Er ist angewiesen auf das Vorhandensein des Schlangenknöterich als Raupen-Nahrungspflanze.
(Foto: A. Kolossa)
Noch ist der Goldene Scheckenfalter <i>(Euphydryas aurinia)</i><br>im Projektgebiet verschollen.<br> In unserem Projekt wird er wieder angesiedelt!<br/>(Foto: A. Kolossa)
Noch ist der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)
im Projektgebiet verschollen.
In unserem Projekt wird er wieder angesiedelt!
(Foto: A. Kolossa)

Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)

„Der Blauschillernde Feuerfalter gehört zur Familie der Bläulinge und dort zu den Feuerfaltern. Diese sind durch eine orange Färbung gekennzeichnet, der Blauschillernde Feuerfalter hat zusätzlich einen metallisch-violetten Schiller auf den Flügeloberseiten, der nur bei entsprechendem Lichteinfall und Blickwinkel zu Tage tritt. Er besiedelt Feuchtwiesenbrachen bzw. nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Feuchtwiesen mit guten Beständen des Schlangen-Knöterichs, der in Deutschland die einzige Raupennahrungspflanze des Blauschillernden Feuerfalters ist. Auch die Eiablage erfolgt nur auf dieser Pflanze. Die Vorkommen befinden sich an kleinklimatisch kühlen Stellen: In Nordost-Deutschland (und Osteuropa) bildet die Art zwei Faltergenerationen im Jahr aus, in Süd- und West-Deutschland nur eine Generation (https://ffh-an-hang4.bfn.de/arten-anhang-iv-ffh-richtlinie/schmetterlinge/blauschillernder-feuerfalter-lycaena-helle.html).“

„Die Bestände des Blauschillernden Feuerfalters sind empfindlich gegenüber zu intensiver Mahd oder Beweidung und gegen Nährstoffeintrag. Bei längerem Nichtstun wachsen die Habitate mit Gehölzen zu; das hält der Falter eine Zeitlang aus, denn lichte Feuchtwälder sind sein ursprünglicher Lebensraum. Bei zu starker Beschattung verschwindet er dann auch dort. Der Blauschillernde Feuerfalter benötigt auch eine wirksame Vernetzung seiner Lebensräume – das nächste geeignete Biotop darf nicht allzu weit entfernt sein. Sein größtes Problem ist jedoch der Klimawandel, denn als Art, die an kühle Sommer und kalte Winter angepasst ist, wird es ihm allmählich zu warm. So hat er die niedrigen Lagen von Wes-terwald und Eifel bereits geräumt und ist dort heute auf die Hochlagen beschränkt. Weiter nach oben ausweichen kann er aber nicht, weil bereits bei 650 bzw. knapp 700 m über dem Meeresspiegel Schluss ist.

Lycaena helle ist im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet. Das ermöglicht den Naturschutzbehörden, zur Verbesserung der Bestandssituation von der EU finanzierte LIFE-Projekte durchzuführen, so z. B. im nordrhein-westfäli-schen Teil der Eifel (https://www.rote-liste-zentrum.de/de/Blauschillernder-Feuerfalter-1861.html).“

Der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)

„Auf seiner Oberseite zeigt der Goldene Scheckenfalter ein buntes Flügelmuster, das sich aus orangefarbenen, gelben sowie schwarzbraunen Feldern zusammensetzt. Charakteristisch ist die orangerote Binde am Hinterflügelrand, die eine Reihe schwarzer Punkte trägt.

Der Goldene Scheckenfalter ist sowohl auf feuchten als auch auf trockenen Standorten verbreitet, wobei in beiden Fällen stets nur extensiv genutzte magere Grünlandstandorte mit einer lückigen, niedrigwüchsigen Vegetation besiedelt werden. Im Fall des „Feuchtwiesen-Typs“ kommt die Art am Rand von Hoch- oder Niedermooren, in Kalkflachmooren, Pfeifengras-wiesen, Bachkratzdistelwiesen und ähnlichen Feuchtgrünländern vor. Beim „Trockenrasen-Typ“ werden dagegen xe-rotherme Hänge mit offenen oder gebüschreichen Halbtrockenrasen auf Kalk oder kalkhaltigem Löß besiedelt. Für ein erfolgreiches Habitatmanagement von Euphydryas aurinia ist entscheidend, dass die Art für die Nahrungsaufnahme und die Eiablage offenbar unterschiedliche Teillebensräume nutzt.

Die Flugzeit des Skabiosen-Scheckenfalters erstreckt sich von Mitte Mai bis Juli. In diesem Zeitraum legen die Weibchen mehrere hundert Eier in mehrschichtigen Gelegen auf den Blättern der Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaris) oder am Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ab. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Raupen, und beginnen bereits nach wenigen Tagen mit der Anlage eines gemeinsamen Seidengespinstes auf der Futterpflanze. Darin leben die geselligen Raupen in den ersten vier Larvenstadien. Im August/September beginnen die Raupen mit der Anlage eines Überwinterungsgespins-tes in der Bodenvegetation. Nach der Winterruhe verbringen die Raupen den Rest ihrer Entwicklung als Einzelgänger. Die Verpuppung erfolgt ab Mitte April an Stängeln oder Blättern der Bodenvegetation, so dass im Mai die nächste Faltergeneration erscheint.

In Nordrhein-Westfalen ist der Skabiosen-Scheckenfalter „vom Aussterben bedroht (https://ffh-arten.naturschutzinforma-tionen.nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/schmetterlinge/kurzbeschreibung/107917).“


Kontakt

Marietta

Marietta Schmitz

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iconm.schmitz@biostationeuskirchen.de